Zwischenlager Isar: Aufbewahrung von Wiederaufarbeitungsabfällen genehmigt

NIEDERAICHBACH – Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) hat der BGZ die Genehmigung erteilt, sieben CASTOR-Behälter mit hochradioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung im Zwischenlager Isar aufzubewahren.

„Die nun erteilte Genehmigung nach dem Atomgesetz bescheinigt uns, dass das Konzept der Zwischenlagerung trägt und die Behälter im Zwischenlager Isar sicher aufbewahrt werden können“, erläutert Stefan Weber als Leiter der Abteilung Genehmigungen bei der BGZ.

Der Leiter des Zwischenlagers Isar, Markus Luginger, ergänzt: „Die Behälter mit verglasten Abfällen aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente im Ausland sollen in den nächsten Jahren vom britischen Sellafield in das Zwischenlager Isar gebracht werden. Ein Termin für den Transport steht noch nicht fest.“ Für die Rückführung sei zudem eine Transportgenehmigung nach dem Atomgesetz erforderlich, die ein von der Energiewirtschaft beauftragtes Unternehmen beim BASE beantragt hat. Diese ist allerdings noch nicht erteilt.

Stefan Mirbeth, verantwortlich für die BGZ-Kommunikation am Standort Isar, erläutert: „Im Jahr 2015 ist ein Konzept zur Verteilung der noch im Ausland lagernden Abfälle aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente mit breitem politischem Konsens verabschiedet worden. Dieses sieht eine bundesweit ausgewogene Verteilung der Behälter vor.“ Damals sind vier Standorte für die Rückführung festgelegt worden: Biblis in Hessen, Brokdorf in Schleswig-Holstein, Isar in Bayern und Philippsburg in Baden-Württemberg. „Diese Verteilung ist fair, denn sie orientiert sich am Verursacherprinzip“, macht Mirbeth deutlich und ordnet ein: „Der meiste Kernbrennstoff wurde aus niedersächsischen AKW zur Wiederaufarbeitung ins Ausland gebracht. Nach Niedersachsen wurden demnach auch 108 CASTOR-Behälter zurückgeführt.“ Mirbeth weiter: „Fast ebenso viel Material wurde aber auch aus bayerischen AKW zur Wiederaufarbeitung ins Ausland gebracht. Nach Bayern wurde allerdings bislang kein einziger CASTOR-Behälter transportiert.“

Nach Hessen ist die Rückführung bereits abgeschlossen: Im November 2020 wurden sechs Behälter mit hochradioaktiven Abfällen aus der britischen Wiederaufarbeitung zum Zwischenlager Biblis transportiert. Für Deutschland war dies der erste große Rücktransport von Atommüll in CASTOR-Behältern seit 2011. Er verlief reibungslos und ohne Störungen.

18 weitere CASTOR-Behälter müssen in den kommenden Jahren noch nach Deutschland zurückgeführt werden, davon sieben Behälter in das Zwischenlager Isar. Nach Abschluss der Rückführung werden die Behälter dann in den Bundesländern aufbewahrt, aus deren Atomkraftwerken anteilig die größte Menge an Kernbrennstoff ins Ausland gebracht wurde.

 

Hintergrund

Bis 2005 wurden Brennelemente aus deutschen Atomkraftwerken zur Wiederaufarbeitung nach Großbritannien und Frankreich transportiert. Gemäß ihren vertraglichen Verpflichtungen müssen die Abfallbesitzer, die Betreiber der Atomkraftwerke, ihre noch im Ausland lagernden Wiederaufarbeitungsabfälle nach Deutschland zurückführen. Zur Rücknahme dieser Abfälle hat sich die Bundesrepublik Deutschland auch völkerrechtlich verpflichtet.

Die BGZ hat von Beginn an proaktiv über die Rückführung informiert, so beispielsweise vor rund 500 Bürger*innen in Niederaichbach. Sie wird diese Kommunikation fortsetzen. Weitere Informationen finden sich auch hier: https://rueckfuehrung.bgz.de/

Nach Abschaltung der Atomkraftwerke: BGZ sorgt für sichere Aufbewahrung der radioaktiven Abfälle

ESSEN – Die letzten drei Atomkraftwerke in Deutschland werden zum 15. April 2023 abgeschaltet. Doch viele Aufgaben der nuklearen Sicherheit bleiben. Die BGZ wird die radioaktiven Abfälle sicher bis zur Abgabe an ein Endlager aufbewahren.

Das von der BGZ angewandte Konzept der Zwischenlagerung ist so robust ausgelegt, dass Effekte ausgeschlossen werden können, bei denen die Sicherheit plötzlich und unerwartet gefährdet ist. Eine umfangreiche Überwachung sorgt dafür, dass der sichere Betrieb der Zwischenlager dauerhaft gewährleistet ist. So sind die Behälter, in denen die hochradioaktiven Abfälle aufbewahrt werden, an ein Überwachungssystem angeschlossen, das rund um die Uhr deren Dichtheit kontrolliert.

Die Einhaltung der Sicherheit wird fortlaufend durch die Aufsichtsbehörden und externe Gutachter überprüft. Es gibt keinerlei Anzeichen für Sicherheitsdefizite. „Wir sind daher davon überzeugt, dass das durch uns umgesetzte Konzept der trockenen Zwischenlagerung der hochradioaktiven Abfälle, auch im internationalen Vergleich, am besten geeignet ist, die Sicherheit der Zwischenlagerung über die nächsten Dekaden zu gewährleisten“, betont Dr. Michael Hoffmann, Bereichsleiter Betrieb bei der BGZ.

Da die Genehmigungen für die Zwischenlager, in denen die hochradioaktiven Abfälle aufbewahrt werden, ab 2034 sukzessive auslaufen, bereitet sich die BGZ auf die verlängerte Zwischenlagerung, und damit auch auf entsprechende Anträge bei den zuständigen Behörden, vor. Dazu verfolgt das bundeseigene Unternehmen ein umfassendes Forschungsprogramm, in dessen Rahmen es mit nationalen und internationalen Partnern aus Industrie, Wissenschaft und von Universitäten das Langzeitverhalten von Behältern und Brennelementen untersucht.

Erste Erkenntnisse und die Erfahrung aus mehr als drei Jahrzehnten sicherem Zwischenlagerbetrieb in Deutschland zeigen, dass die Behälter geeignet sind, das radioaktive Material über einen längeren Zeitraum sicher einzuschließen, als ursprünglich vorgesehen. „Eines steht in jedem Fall fest: Wir werden die sichere Aufbewahrung gewährleisten, bis alle Behälter an das Endlager abgegeben sind“, so Hoffmann.

Über die Standorte der BGZ sowie die dort gelagerten radioaktiven Abfälle informiert das Unternehmen auf seiner Website https://zwischenlager.info.

 

Hintergrund

Die Zwischenlagerung hochradioaktiver Abfälle ist in Deutschland auf 40 Jahre befristet, die erste Genehmigung für das Zwischenlager in Gorleben läuft im Jahr 2034 aus. Da es Jahrzehnte dauert, bis alle hochradioaktiven Abfälle an ein Endlager abgegeben sind, wäre auch nach der ursprünglichen Planung, einen Endlagerstandort bis 2031 zu benennen, eine verlängerte Zwischenlagerung erforderlich gewesen. Auf diese bereitet sich die BGZ seit ihrer Gründung 2017 vor. Im November 2022 wurde bekannt, dass sich die Suche nach einem Endlagerstandort verzögert. Die verantwortliche Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) rechnet frühestens in den 2040er Jahren mit der Benennung eines Standorts. Die BGZ wird rechtzeitig neue Aufbewahrungsgenehmigungen für ihre Standorte beantragen und in diesen neu zu führenden Genehmigungsverfahren nachweisen, dass die Sicherheit der Zwischenlagerung über 40 Jahre hinaus gewährleistet ist. Weitere Informationen sind hier erhältlich: https://bgz.de.

 

Vom Reaktor in den CASTOR: Ausgediente Brennelemente vom Kernkraftwerk Brokdorf ins Zwischenlager transportiert

BROKDORF – Auf einem Sattelschlepper werden 120 Tonnen schwere Gusseisen-Behälter im Schritttempo vorsichtig über das Gelände des Kernkraftwerks Brokdorf gezogen. Ihr Ziel: der Empfangsbereich des Zwischenlagers. Dort angekommen befördert ein Team von Ingenieuren, Technikern und Strahlenschützern die Behälter mit Hilfe eines gewaltigen Krans zunächst in den Wartungsbereich der massiven Stahlbetonhalle. Hier erfolgt eine streng durch Aufsichtsbehörde und Gutachter überwachte Eingangskontrolle der über sechs Meter hohen Behälter. Ihr Inhalt: ausgediente Brennelemente aus dem Betrieb des Kernkraftwerks Brokdorf.

Bis Ende 2025 soll das Kernkraftwerk an der Unterelbe brennstofffrei sein. In einer ersten von insgesamt sieben Kampagnen hat ein Team von Spezialisten nun fünf Behälter mit abgebrannten Brennelementen beladen und in das von der bundeseigenen BGZ betriebene StandortZwischenlager in direkter Nachbarschaft des Kraftwerks gebracht, wo die CASTOR-Behälter sicher bis zur Abgabe an ein Endlager aufbewahrt werden. Dieser Vorgang ist ein Meilenstein auf dem Weg zum Rückbau des Meilers, der sich nach seiner Stilllegung im Dezember 2021 im sogenannten Nachbetrieb befindet.

„Während die Beladung und der Transport der fünf CASTOR-Behälter Aufgabe des Kraftwerksbetreibers, der PreussenElektra GmbH, ist, kümmern sich unsere Fachleute um die Handhabung der Behälter im Zwischenlager. Speziell geschultes Personal trägt während der gesamten Kampagne dafür Sorge, dass die Behälter mit zwei Deckeln sicher verschlossen und frei von radioaktiver Kontamination sind“, erklärt Finn Harders, Leiter des Strahlenschutzes bei der BGZ am Standort Brokdorf.

Nach der Eingangskontrolle wird jeder Behälter mit dem Kran auf den eigens für ihn vorgesehenen Stellplatz in der Halle gebracht und dort an das Überwachungssystem angeschlossen. Denn die Dichtheit beider Deckel jedes Castor-Behälters im Zwischenlager wird mit Hilfe dieses Behälterüberwachungssystems kontrolliert. Dabei erfasst ein im äußeren Deckel eingebauter Druckschalter den Überdruck im Sperrraum zwischen den beiden Deckeln und überwacht damit die Dichtheit des gesamten Deckelsystems. Für den extrem unwahrscheinlichen Fall einer Deckelundichtigkeit ist vorgesorgt: „Im Wartungsbereich des Zwischenlagers könnten im Bedarfsfall alle notwendigen Reparaturen durchgeführt werden, ohne dass ein Behälter geöffnet werden muss“, erläutert Harders.

Insgesamt stehen in deutschen Zwischenlagern etwa 1.200 Transport- und Lagerbehälter. In Brokdorf sind es aktuell 40. Wenn alle vorgesehenen Brennelemente und Rückführungsabfälle eingelagert sind, werden es rund 84 Exemplare sein. Im Jahr 2030, nachdem alle deutschen Kernkraftwerke brennstofffrei sind, werden in Deutschland rund 1.900 Behälter mit hochradioaktiven Abfällen aufbewahrt. Sobald ein Endlager für diese hochradioaktiven Abfälle gefunden ist und in Betrieb geht, werden alle Behälter schrittweise aus den Zwischenlagern zum Endlager abtransportiert. Bis dahin ist die BGZ für die sichere Zwischenlagerung verantwortlich – auch lange, nachdem das Kernkraftwerk verschwunden und am ehemaligen Standort nur noch eine grüne Wiese zu sehen ist.