Beim erstmaligen Verpressen der Metalldichtung ergibt sich der in Abbildung 4 dargestellte Kraft-Verformungs-Verlauf. Bei der Verformung e0 wird die erforderliche Dichtheit erstmals erreicht, aber erst bei der Verformung e2 befindet sich die Dichtung in ihrem Arbeitspunkt. Das Erreichen des Arbeitspunktes ist konstruktiv durch die Tiefe der Nut sichergestellt, in die die Dichtung im Deckel eingelegt ist, da die Differenz zwischen der Nuttiefe und dem Torusdurchmesser der Dichtung genau der optimalen Verpressung e2 entspricht.
Kommt es infolge äußerer Lasten zu einer Entlastung der Dichtung, das heißt zu einem Spalt zwischen dem Deckel und der Gegenfläche, bleibt die geforderte Dichtheit bis zum Erreichen von e1 aufrechterhalten. Der zulässige Spalt zwischen der Dichtfläche und dem Deckel entspricht dabei der nutzbaren elastischen Rückfederung ru (siehe Abbildung 4). Insbesondere dieser Parameter und die dazugehörige Kraft Y1 sind wesentlich dafür, das Verhalten der Metalldichtung unter Betriebs- und Störfallbedingungen zu bewerten.
Im Einbauzustand kommt es infolge der mechanischen Beanspruchung und der herrschenden Temperaturen zu Kriechvorgängen in der Metalldichtung, die sich in Form von Relaxation bemerkbar machen. Wie in Abbildung 4 dargestellt, sinkt infolge der Relaxation die Rückstellkraft im Arbeitspunkt auf Y2r bei unveränderter Verformung. Zwar sinkt bei Entlastung die minimal erforderliche Kraft zur Aufrechterhaltung der spezifizierten Dichtheit Y1r, aber auch die Verformung e1r nimmt entsprechend ab, sodass die verbleibende nutzbare Rückfederung rur einer gealterten Dichtung gegenüber dem Montagezustand nennenswert abnimmt.
Um das Langzeitverhalten der eingesetzten Metalldichtungen zuverlässig bewerten zu können, ist daher die Kenntnis der Kennwerte Y1r und rur einer gealterten Dichtung von großer Bedeutung. Insbesondere die verbleibende nutzbare Rückfederung rur ist ein Maß zur Beurteilung der Robustheit der Dichtbarriere, also der Frage, inwieweit die Dichtung in der Lage ist, auch bei äußeren mechanischen Einwirkungen die erforderliche Dichtheit aufrechtzuerhalten.