BGZ startet neues Forschungsprojekt

ESSEN – In mehreren Forschungsprojekten untersucht die BGZ gemeinsam mit nationalen und internationalen Partnern die langfristige Sicherheit der Behälter, in denen hochradioaktive Abfälle aufbewahrt werden. Nun hat das bundeseigene Unternehmen ein weiteres Vorhaben auf den Weg gebracht.

Im Fokus der BGZ-Forschung zu Transport- und Lagerbehältern stehen die Metalldichtungen, die im Doppeldeckel-System der Behälter verbaut sind. Diese gewährleisten den sicheren Einschluss der radioaktiven Stoffe. „Ziel ist es, möglichst umfassende Erkenntnisse über das Langzeitverhalten dieser Dichtungen zu erhalten“, sagt Ralf Schneider-Eickhoff aus der BGZ-Forschungsabteilung. Dafür untersucht das bundeseigene Unternehmen das zeit- und temperaturabhängige Alterungsverhalten der Metalldichtungen.

Im neuen Projekt MSim widmet sich die BGZ zusammen mit dem Dichtungshersteller aus Frankreich sowie der Universität Mines Paris der Simulation des Langzeitverhaltens der Dichtungen. „Die im Projekt gewonnenen Daten fließen in Modelle ein, die unsere bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse deutlich erweitern und zur Erklärung der beobachteten Effekte beitragen“, betont Schneider-Eickhoff. Das Vorhaben beinhaltet experimentelle Versuche und baut auf dem Projekt MSTOR auf, in dem das Langzeitverhalten der Dichtungen empirisch untersucht wird. Bislang wurden im Rahmen von MSTOR rund 200 Metalldichtungen über unterschiedlich lange Zeiträume und bei verschiedenen Temperaturen analysiert und bereits mehr als 1000 Daten erfasst. „Obwohl das Projekt noch mindestens bis 2031 fortgeführt wird, stellen die bisher ermittelten Messwerte bereits eine einzigartige Basis für die Entwicklung von Prognosemodellen zum Langzeitverhalten der Dichtungen dar“, erläutert Schneider-Eickhoff. Ziel sei es nachzuweisen, dass diese auch in vielen Jahrzehnten die Behälter mit den hochradioaktiven Abfällen dicht verschließen.

Zudem führt die BGZ Versuche an künstlich gealterten Dichtungen durch, um Vorhersagen über deren Verhalten bei einem hypothetischen Stör- oder Unfall zu treffen. „Es geht darum, auch sehr unwahrscheinliche Szenarien unter dem Gesichtspunkt der verlängerten Zwischenlagerung sicher zu beherrschen“, betont Dr. Jörn Becker, Leiter der Forschungsabteilung. Außerdem bringt das bundeseigene Unternehmen mit OBSERVE ein Messprogramm auf den Weg, um die Verteilung von Temperatur und Dosisleistung an beladenen Behältern zu erfassen. „Auf Basis dieser Messungen ist es uns möglich, präzise Aussagen über die Schutzfunktion der Behälter zu treffen“, erläutert Becker. Ziel des Vorhabens sei es, nachzuweisen, dass sie die Abschirmung der Strahlung und die Wärmeabfuhr langfristig gewährleisten.

 

Hintergrund:

Die Aufbewahrung radioaktiver Abfälle ist in Deutschland auf 40 Jahre befristet, die Genehmigungen für die Zwischenlager der BGZ laufen ab 2034 sukzessive aus. Eine verlängerte Zwischenlagerung ist notwendig, da erst Mitte des Jahrhunderts ein Endlagerstandort benannt werden soll. Anschließend wird es noch mehrere Dekaden dauern, bis alle Behälter mit hochradioaktiven Abfällen an das Endlager abgegeben sind. Auf die verlängerte Zwischenlagerung bereitet sich die BGZ seit ihrer Gründung im Jahr 2017 vor. Zentraler Baustein dafür ist ihr Forschungsprogramm, in dem das Langzeitverhalten von Brennelementen, Behältern und Lagern untersucht wird. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Genehmigungsverfahren für die verlängerte Zwischenlagerung mit ein, in denen die BGZ die Sicherheit nach dem jeweils aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik nachweisen muss. Weitere Informationen zu den einzelnen Forschungsprojekten sind hier erhältlich.

 

Störung einer unterbrechungsfreien Spannungsversorgung im Abfall-Zwischenlager Brunsbüttel

BRUNSBÜTTEL – Die BGZ hat im Rahmen einer wiederkehrenden Prüfung beim Zuschalten einer unterbrechungsfreien Spannungsversorgung (USV) eine Störung dieser Anlage festgestellt. Derzeit wird durch den Anlagenhersteller eine Ursachenklärung durchgeführt. Der Vorfall hatte keine Auswirkungen auf den sicheren Betrieb des Zwischenlagers.

Die BGZ hat dem Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur des Landes Schleswig-Holstein (MEKUN) als zuständige Aufsichtsbehörde den Sachverhalt heute als meldepflichtiges Ereignis (Kriterium N 2.1.1) mitgeteilt. Es handelt sich um ein Ereignis der Stufe 0 auf der achtstufigen INES-Meldeskala („keine oder sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung“).

Gemeinsame Informationsveranstaltung: BGZ stellt aktuelle Projekte am Standort Biblis vor

BIBLIS/EINHAUSEN – Bei einer gemeinsamen Veranstaltung mit der Arbeitsgruppe „Sicheres Zwischenlager Biblis“ und dem Ortsverband Bündnis 90/Die Grünen Einhausen informierte die BGZ über die Entkopplung des Lagerbetriebs vom Kernkraftwerk sowie den geplanten Bezug des neuen Wach- und Funktionsgebäudes.

Seit 2019 arbeitet die BGZ darauf hin, die Zwischenlager am Standort Biblis unabhängig vom benachbarten Kraftwerk zu betreiben. Viele Baumaßnahmen wie etwa eine eigene Strom- und Wasserversorgung sind bereits umgesetzt. Ein Sicherungszaun rund um das BGZ-Gelände steht kurz vor der Fertigstellung. Neue Büros und eine eigene Straßenzufahrt werden derzeit gebaut. Dafür investiert das Unternehmen umfangreich in den Standort und wächst auch als Arbeitgeber weiter.

„Aktuell beschäftigen wir in Biblis 39 Mitarbeiter*innen unterschiedlicher Fachrichtungen, wie Ingenieure*innen, IT-Fachkräfte oder Strahlenschützer*innen“, berichtete BGZ-Standortkommunikatorin Dr. Genevieve Mulack. „Im Rahmen unserer Pläne zum unabhängigen Betrieb bieten wir künftig am Standort moderne Büroräume für rund 70 Mitarbeiter*innen.“

Hildegard Osterholt, Ortsverbandsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen Einhausen, lobt die regionale Zusammenarbeit: „Das Engagement vor Ort sowie die regelmäßige und transparente Kommunikation der BGZ sind ein Mehrwert für die Bergstraße. Gemeinsame Veranstaltungen sind wichtig für die Information der Bürger*innen vor Ort.“

Die Bergsträßer Arbeitsgruppe „Sicheres Zwischenlager Biblis“ wurde 2023 von Rainer Scheffler, dem früheren Sprecher der Bürgerinitiative AK.W.Ende Bergstraße, gegründet. Die BGZ ist seit der Gründung fester Bestandteil und informiert regelmäßig über ihre Arbeit. Mit der Veranstaltung in Einhausen wurde die fünfte Informationsveranstaltung im Kreis Bergstraße realisiert. Im Frühjahr fand bereits eine gemeinsame Veranstaltung in Bensheim statt.