Rückführung radioaktiver Abfälle aus dem Ausland abgeschlossen

BROKDORF/ESSEN/BERLIN – Vor über einem Jahrzehnt markierte ein politischer Kompromiss den Neustart bei der Rückführung von deutschem Atommüll aus dem Ausland. Heute hat die BGZ den letzten von insgesamt sieben Behältern in das Zwischenlager Brokdorf gebracht. Damit ist nun auch dieses Kapitel der nuklearen Entsorgung abgeschlossen. Die gesamte Rückführung verlief über Jahre störungsfrei und ohne jegliche Gefahr für Mensch und Umwelt.

Wilhelm Graf, BGZ-Geschäftsführer seit 2017, hat die Rücknahme radioaktiver Abfälle aus der Wiederaufarbeitung in unterschiedlichen Funktionen von Anfang an begleitet. Er kann daher gut einschätzen, welche Herausforderungen in den zurückliegenden Jahrzehnten zu bewältigen waren. „Der Erfolg dieses Projekts war nur durch eine außergewöhnliche Gemeinschaftsleistung möglich“, bilanziert er. „Anspruchsvolle Genehmigungsverfahren, verlässliche Logistik, technische Umsetzung der Einlagerungen und transparente Kommunikation – bei diesem Projekt musste das Zusammenspiel vieler Akteure klappen. Und das ist bestens gelungen“, so Graf über die konstruktive Zusammenarbeit der BGZ mit Einsatzkräften, Behörden sowie vielen weiteren Partnern im In- und Ausland.

Seit ihrer Gründung im Jahr 2017 bereitete sich die BGZ umfassend auf die Rücknahme der Abfälle vor, die bei der Wiederaufarbeitung im Ausland entstanden sind. Zuvor wurden abgebrannte Brennelemente aus deutschen Kernkraftwerken über Jahrzehnte nach Frankreich und England gebracht, dort in speziellen Anlagen zerkleinert und durch ein chemisches Verfahren in wiederverwertbare Kernbrennstoffe und in radioaktiven Abfall getrennt.

Mit der in 2002 verabschiedeten Atomgesetz-Novelle wurde diese Praxis durch die damalige Bundesregierung beendet. Transporte zur Wiederaufarbeitung deutscher Kernbrennstoffe ins französische La Hague oder ins britische Sellafield waren ab 2005 per Gesetz verboten. Allerdings mussten die bis dahin bei der Wiederaufarbeitung bereits entstandenen Abfälle noch zurückgenommen werden, denn dazu waren die Abfallverursacher verpflichtet.

In diesem Sinne wurden bis zum Jahr 2011 insgesamt 108 CASTOR-Behälter mit hochradioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung in das zentrale Zwischenlager Gorleben transportiert. Für die noch verbliebenen 24 Behälter legte das Bundesumweltministerium im Jahr 2015 ein neues Konzept vor. Danach sollten die Abfälle nun in kraftwerksnahe Zwischenlager gebracht werden. „Mein Konzept soll den Atomkonzernen als Richtschnur dienen, wie sie ihre gesetzlichen Verpflichtungen zur Rückführung und Aufbewahrung der verglasten radioaktiven Abfälle aus der Auslandswiederaufarbeitung erfüllen können“, erklärte die damalige Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks im Juni 2015.

Die beteiligten Landesregierungen und die Kraftwerksbetreiber folgten dem Konzept der Ministerin, das auf einer fairen Verteilung nach dem Verursacherprinzip basierte. Schließlich wurden mit breitem politischen Konsens vier Standorte festgelegt: Biblis in Hessen, Philippsburg in Baden-Württemberg, Isar in Bayern und Brokdorf in Schleswig-Holstein. Die atomrechtlichen Genehmigungsverfahren führte ab 2017 die neu gegründete BGZ.

Ab diesem Zeitpunkt begann das bundeseigene Unternehmen auch damit, an den Standortkommunen der Zwischenlager über die geplanten Maßnahmen umfänglich zu informieren. „Durch unzählige Gespräche, Dialogabende in Gemeindesälen oder in Turnhallen sowie durch aktive Pressearbeit haben wir das Thema frühzeitig in den Regionen platziert. Teilweise kamen bis zu 500 Gäste zu unseren Veranstaltungen“, erinnert sich BGZ-Unternehmenssprecher Burghard Rosen. „Uns war wichtig, nicht erst kurz vor den Transporten mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, sondern Vertrauen durch kontinuierlichen Dialog und Transparenz zu schaffen. Gerade zu Beginn wurde die Debatte an den Standorten teils schon sehr kontrovers und emotional geführt“, so Rosen.

„Die umfangreichen Kommunikationsangebote waren für die Bevölkerung und für uns Kommunalpolitiker sehr wichtig. Wir fühlten uns immer gut von der BGZ informiert – und diese Transparenz schaffte Vertrauen, auch wenn wir die Rücknahme weiterhin kritisch begleitet haben“, sagt Josef Klaus.

Klaus, früherer Bürgermeister von Niederaichbach, wo das Zwischenlager Isar steht, ist Sprecher der Arbeitsgemeinschaft aller deutschen Standortkommunen, in denen kerntechnischen Anlagen angesiedelt sind (ASKETA). Auch innerhalb der ASKETA zeigt man sich zufrieden darüber, dass die Behälter störungsfrei aus der Wiederaufarbeitung in die vier ausgewählten Zwischenlager transportiert wurden und nun dort sicher aufbewahrt werden können. „Unser Wunsch ist aber nun, dass der Erfolg des gesamten Rückführungsprojekts dazu beiträgt, dass die Endlagersuche weiter beschleunigt wird“, so Josef Klaus.

Nachdem die Transporte an die Standorte Biblis (2020), Philippsburg (2024) und Isar (2025) erfolgreich durchgeführt werden konnten, gehen für die BGZ mit der Einlagerung der letzten sieben Behälter am Standort Brokdorf nun arbeitsintensive Jahre zu Ende. „Wir haben damit einen wichtigen Beitrag zur verantwortungsvollen Entsorgung nuklearer Abfälle geleistet. Ohne jegliche Zwischenfälle oder technische Schwierigkeiten konnte das langjährige Projekt im Zusammenspiel mit vielen Partnern wie geplant abgeschlossen werden“, resümiert Wilhelm Graf. „Die Rückführung ist eine echte Erfolgsgeschichte. Sie zeigt, dass auch komplexe Aufgaben der nuklearen Entsorgung durch hohe technische Kompetenz, verlässliche Zusammenarbeit und transparente Kommunikation erfolgreich umgesetzt werden können.“

Die BGZ hat den Antrag für eine verlängerte Zwischenlagerung hochradioaktiver Abfälle am Standort Gorleben eingereicht.

BGZ beantragt Aufbewahrungsgenehmigung für weitere 20 Jahre

GORLEBEN – Die BGZ wird Ende Juni die Aufbewahrung der CASTOR-Behälter im Zwischenlager Gorleben über das Jahr 2034 hinaus beantragen. Mit Einreichen des Antrags beim Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) startet acht Jahre vor Auslaufen der bestehenden Genehmigung das atomrechtliche Genehmigungsverfahren.

Seit ihrer Gründung informiert die BGZ regelmäßig darüber, wie sie sich auf deutlich längere Zwischenlagerzeiten vorbereitet. Nun wird mit dem Einreichen des Antrags beim BASE der erste formelle Schritt eingeleitet. Hintergrund ist, dass der Standort für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle erst Mitte dieses Jahrhunderts feststehen soll.

„Wir werden den Antrag auf die bereits eingelagerten 113 Behälter und deren Inventar beschränken und diese hier so lange sicher aufbewahren, bis wir sie an das Endlager abgeben können“, so Standortkommunikator Dr. Tristan Zielinski. „Damit greifen wir auch einen Impuls aus der öffentlichen Diskussion im Landkreis auf und unterstreichen, dass weitere Einlagerungen von hochradioaktiven Abfällen in Gorleben nicht erfolgen werden.“

Die BGZ wird eine auf 20 Jahre befristete Genehmigung bis zum 31. Dezember 2054 beantragen. „Mit einer Befristung auf 20 Jahre nehmen wir eine weitere Forderung der Öffentlichkeit auf. Wir schaffen damit außerdem die Möglichkeit, die Sicherheit der Zwischenlagerung unabhängig von den ohnehin kontinuierlichen aufsichtlichen Überprüfungen in kurzen Zeitabständen nachzuweisen“, so Stefan Weber, Leiter der BGZ-Genehmigungsabteilung. „Gleichzeitig können wir Forschungsergebnisse engmaschiger berücksichtigen. Darüber hinaus trägt ein kurzer Genehmigungszeitraum zum Wissenstransfer sowie Kompetenzerhalt innerhalb der BGZ, aber auch bei Behörden und Gutachtern bei“, so Weber.

Bereits 2025 hatte die BGZ beim BASE von sich aus die Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung beantragt, um mögliche Auswirkungen der verlängerten Zwischenlagerung auf die Umwelt zu untersuchen. Im Rahmen dieses Verfahrens erhält die Öffentlichkeit durch das BASE die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen. Bürger*innen können die ausgelegten Unterlagen einsehen, sich zum Vorhaben äußern und dann an einem Erörterungstermin teilnehmen. Die Ergebnisse fließen in das Genehmigungsverfahren ein.

Zusätzlich beteiligt die BGZ die Menschen im Landkreis durch eine eigens eingerichtete Dialoggruppe. Seit ihrer ersten Sitzung im Februar hat sich die Gruppe aus gelosten Bürger*innen, Vereinsvertreter*innen und Kommunalpolitiker*innen intensiv mit unterschiedlichen Fragestellungen rund um die Aufbewahrung hochradioaktiver Abfälle in Gorleben befasst. Dabei standen bislang das Genehmigungsverfahren, die Sicherheit der Behälter und das Alterungsmanagement für die Lagergebäude im Vordergrund.

„Wir haben von Beginn an die Notwendigkeit einer verlängerten Zwischenlagerung offen und transparent mit der Öffentlichkeit in unterschiedlichen Formaten diskutiert. Diesen Dialog und die Beteiligung werden wir auch nach der Antragstellung beim BASE fortsetzen“, so Zielinski. „Transparenz und Beteiligung bleiben für uns wichtige Voraussetzungen, um die Herausforderungen der verlängerten Zwischenlagerung gemeinsam mit den Menschen vor Ort zu begleiten.“

Hintergrund:

Die Genehmigung für die Zwischenlagerung hochradioaktiver Abfälle am Standort Gorleben ist auf 40 Jahre befristet und läuft 2034 aus. Da der Standort für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle erst zur Mitte des Jahrhunderts benannt werden soll und dann weitere Jahrzehnte für Planung, Genehmigung, Bau und Inbetriebnahme notwendig sind ist eine verlängerte Zwischenlagerung notwendig. Weitere Informationen zur verlängerten Zwischenlagerung sind hier erhältlich.

EPRI-Meeting auf dem Forschungscampus der TU München in Garching

Austausch von Industrie und Wissenschaft in Garching

GARCHING – Wo steht die internationale Forschung im Bereich hochradioaktiver Abfälle aktuell? Wie kann die Industrie diese nutzen und welchen weiteren Forschungsbedarf gibt es? Darüber haben internationale Expert*innen auf dem Forschungscampus der Technischen Universität (TU) München in Garching diskutiert. Die BGZ stellte als Co-Host bei der Veranstaltung ihr Forschungsprogramm vor.

Einen Überblick der BGZ-Forschung gab Dr. Maik Stuke, Leiter des BGZ.lab auf dem Forschungscampus der TU München in Garching, im Rahmen des EPRI Used Fuel & High Level Waste Programm Workshops (UF&HLW).  EPRI (Electric Power Research Institute) ist eine 1972 gegründete, unabhängige Non-Profit-Organisation mit Sitz in den USA, die weltweit unter anderem zu Themen der nuklearen Sicherheit forscht. Mitglieder sind vorwiegend Energieunternehmen, Regierungsbehörden und andere Organisationen, die praxisnahe Forschung finanzieren.

Zwei Tage lang diskutierten 25 Fachleute aus elf Mitgliedsorganisationen des EPRI Used Fuel & High Level Waste Programs in Garching über den Stand der Forschung im Bereich hochradioaktive Abfälle, tauschten sich über Betriebserfahrungen und technische Anforderungen aus und teilten ihr Wissen. „Neben dem Überblick der EPRI-Forschung ist für uns der direkte Austausch mit den europäischen Kolleg*innen sehr wichtig“, sagt Dr. Maik Stuke. „Das gibt uns einen Überblick über den Stand der Forschung und darüber, wohin die Reise geht.“

Als Co-Host des EPRI-Workshops habe die BGZ die Gelegenheit, die aktuellen Forschungsprioritäten der europäischen Nachbarn zu verstehen und einzuordnen, welche Erkenntnisse in den nächsten Jahren für die gesamte Branche relevant werden und wo es Synergien gibt. Von besonderem Interesse für die BGZ war der Austausch über Themen wie beispielsweise geplante Behälteröffnungen in den USA sowie Erfahrungen mit Druckschaltern in der Schweiz.

Hintergrund:
Die Aufbewahrung hochradioaktiver Abfälle ist in Deutschland auf 40 Jahre befristet, die Genehmigungen für die Zwischenlager der BGZ laufen ab 2034 sukzessive aus. Eine verlängerte Zwischenlagerung ist notwendig, da erst Mitte des Jahrhunderts ein Endlagerstandort benannt werden soll. Anschließend wird es noch mehrere Dekaden dauern, bis alle Behälter mit hochradioaktiven Abfällen an das Endlager abgegeben sind. Auf die verlängerte Zwischenlagerung bereitet sich die BGZ seit ihrer Gründung im Jahr 2017 vor. Zentraler Baustein dafür ist ihr 
Forschungsprogramm, in dem unter anderem das Langzeitverhalten von Brennelementen und Behältern untersucht wird.