Grafenrheinfeld: BGZ übernimmt Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle

GRAFENRHEINFELD – Am 3. Mai 2021 hat die BGZ die Betriebsverantwortung für das neu gebaute Abfall-Zwischenlager am Standort Grafenrheinfeld (AZR) übernommen. Mit der Übernahme kommt die BGZ ihrem gesetzlichen Auftrag zur sicheren Zwischenlagerung radioaktiver Abfälle nach. Das AZR dient der Aufbewahrung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen wie beispielsweise Filtermaterialien oder Anlagenteilen aus dem Kraftwerksbetrieb und -rückbau. Ab dem Jahr 2027 sollen diese Abfälle an die Einrichtungen des Endlagers Konrad abgegeben werden.

Mit der Übertragung des Abfall-Zwischenlagers auf die BGZ wird die durch das Entsorgungsübergangsgesetz vorgesehene Neuordnung in der kerntechnischen Entsorgung weiter umgesetzt. „Die BGZ leistet damit einen wichtigen Beitrag, um den Atomausstieg umzusetzen“, erläutert Jürgen Bruder als Leiter des Zwischenlagerstandorts Grafenrheinfeld.

Nach dem Entsorgungsübergangsgesetz sind die Betreiber der Kernkraftwerke für deren Stilllegung und Rückbau sowie die fachgerechte Verpackung der radioaktiven Abfälle zuständig. Die Durchführung und Finanzierung der Zwischen- und Endlagerung liegt in der Verantwortung des Bundes.

„Wir werden das Abfall-Zwischenlager Grafenrheinfeld genauso sicher betreiben wie das Brennelemente-Zwischenlager, das die BGZ bereits zu Beginn des Jahres 2019 übernommen hat“, kündigt Jürgen Bruder an.

Hintergrund: Voraussetzung für die Übernahme des Zwischenlagers durch die BGZ war die kürzlich erfolgte Zustimmung zur Betriebsbereitschaft der Anlage durch das Bayerische Landesamt für Umwelt. Errichtet wurde das Abfall-Zwischenlager Grafenrheinfeld in den vergangenen Jahren durch den Kraftwerksbetreiber PreussenElektra. Der Baubeginn erfolgte im Juli 2018.

Die Genehmigung des AZR ermöglicht neben der Zwischenlagerung von Abfällen aus dem Kernkraftwerk Grafenrheinfeld auch die zeitlich und mengenmäßig befristete Einlagerung von Abfallgebinden anderer Standorte der PreussenElektra.

Detailplanung für Logistikzentrum Konrad beginnt

BERLIN – Nach einer europaweiten Ausschreibung hat die BGZ die ersten Planungen des Logistikzentrums Konrad an die ARGE LoK Würgassen vergeben. Der Zusammenschluss aus drei etablierten deutschen Unternehmen wird zunächst alle notwendigen Gebäude und die Infrastruktur projektieren und die Antragsunterlagen für die Baugenehmigung erstellen.

In der ARGE LoK Würgassen haben sich die ARCUS Planung+Beratung Bauplanungsgesellschaft Cottbus, die IPROconsult Leipzig und die Schüßler Plan Generalplanungsgesellschaft Berlin zusammengeschlossen.

Nach einem ersten Arbeitsgespräch mit Vertreter*innen der beteiligten Firmen in Berlin erklärte der Bereichsleiter für das Logistikzentrum Konrad, Dr. Heinz-Walter Drotleff: „Wir haben den Auftrag an eine Arbeitsgemeinschaft aus drei Unternehmen erteilt, die national wie international auf dem Markt etabliert und bekannt sind. Die BGZ wird mit der ARGE LoK Würgassen zügig die detaillierten Planungsunterlagen für das Bauvorhaben erarbeiten und damit die Grundlage für den Bauantrag schaffen.“

Bei ihrer Vergabe hat die BGZ besonderen Wert auf eine landschaftsschonende Gestaltung des Gebäudekomplexes gelegt. „Die ARGE LoK Würgassen hat uns dazu bereits sehr interessante Ideen übermittelt“, so Drotleff. Dazu zählen etwa eine intensive Dachbegrünung und eine mögliche Staffelung der Dachflächen sowie eine strukturierte Fassadengestaltung.

Die ARGE werde nach Angaben Drotleffs künftig eng mit dem Technik-Planer des Logistikzentrums Konrad zusammenarbeiten. Der Abschluss des Vergabeverfahrens für diese Leistung steht ebenfalls kurz bevor, mit einer Vergabe sei im Mai dieses Jahres zu rechnen. Der Technik-Planer soll unter anderem die Unterlagen für den Antrag nach Strahlenschutzgesetz für das Logistikzentrum erarbeiten.

Hintergrund: Die BGZ hat nach einer Untersuchung von 28 potenziellen Flächen entschieden, ein Logistikzentrum für das Endlager Konrad auf dem Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks Würgassen zu errichten. In dem Logistikzentrum sollen Behälter mit fertig verpackten, schwach- und mittelradioaktiven Abfällen aus dezentralen Zwischenlagern für den Transport in das Endlager Konrad passgenau zusammengestellt werden. Damit wird eine zügige Einlagerung in das Endlager sichergestellt.

Lars Köbler übernimmt Geschäftsführung der Kerntechnischen Hilfsdienst GmbH

ESSEN/EGGENSTEIN-LEOPOLDSHAFEN – Die Gesellschafterver­sammlung der Kerntechnischen Hilfsdienst GmbH (KHG) hat Lars Köbler zum neuen Geschäftsführer berufen. Die BGZ wird ihr Engagement bei der KHG zudem weiter ausbauen. Dies sichert die Kompetenzen zum Umgang mit Notfällen in kerntechnischen Anlagen auch über das Abschaltda­tum der letzten Atomkraftwerke hinaus.

Zusätzlich zu seinen Aufgaben als kaufmännischer Geschäftsführer der BGZ führt Lars Köbler ab dem 1. Mai 2021 auch die Geschäfte der KHG. Walter Sturz, Köb­lers Vorgänger in dieser Funktion, tritt in den Ruhestand ein.

Mit speziell qualifiziertem Personal und technischer Ausrüstung hat sich die KHG als Dienstleister für kerntechnische Anlagen auf das Management von Notfallsze­narien spezialisiert. Die permanente Einsatzbereitschaft der KHG erfüllt dabei Vor­sorgeverpflichtungen der Anlagenbetreiber.

Gegenwärtig befindet sich die KHG mehrheitlich im Eigentum der Energiewirt­schaft. Nach dem Ende der Stromerzeugung in den deutschen Atomkraftwerken beabsichtigt die BGZ im Einvernehmen mit den bisherigen Mehrheitsgesellschaf­tern, ihre Anteile an der KHG von derzeit 19,58 Prozent auf eine Mehrheitsbeteili­gung von 92,2 Prozent auszuweiten. Die rund 20 Arbeitsplätze der KHG am der­zeitigen Standort wird die BGZ dabei erhalten.

„Mit der perspektivischen Übernahme der Mehrheit an der KHG leisten wir einen Beitrag zum Kompetenzerhalt und zum Erhalt der kerntechnischen Sicherheit auch während der weiteren Umsetzung des Atomausstiegs“, erklärt Lars Köbler.

Hintergrund:

In der Bundesrepublik Deutschland haben die Betreiber von kerntechnischen Anla­gen technische und personelle Vorsorge getroffen, um nach einem Störfall die Ursa­che zu analysieren und die Folgen des Störfalles zu beseitigen. Teile dieser Notfall­vorsorge haben die Betreiber der KHG übertragen. Diese wurde 1977 von den AKW-Betreibern, der kerntechnischen Industrie und den Forschungszentren gegründet. Die KHG verfügt über die erforderliche Technik und speziell ausgebildetes Personal, auf dessen Know-how die Betreiber im Bedarfsfall zurückgreifen können.

Ungeachtet dessen, dass das Konzept der Zwischenlagerung auch bei Szenarien wie Naturkatastrophen oder Flugzeugabstürzen die Einhaltung der Schutzziele sicher­stellt, kommt die BGZ mit ihrem Engagement bei der KHG der Verpflichtung nach, auch für sogenannte auslegungsüberschreitende Ereignisse Vorsorge zu treffen.